Mittwoch, 12. August 2009

rest in peace great man...

Und wieder einmal muss man als bekennender ´Alpinjunkie´ auf Halbmast flaggen - einer der ganz Großen der Berge - Riccardo Cassin ist im sphärischen Alter von 100 Jahren verstorben. Was für ein Leben...! Eigentlich muss man zu diesem Mann nicht viele Worte verlieren, vielmehr sollte man sein Gerassel packen und sofort aufbrechen um eine seiner großen Touren zu wiederholen (und derer gibt es wahrlich genug...) und somit auf angemessene Art und Weise Abschied von einer Legende nehmen! Grand Jorasses - Walkerpfeiler, Piz Badile - Nordostwand, Westliche Zinne - was für ein Quergang (da war doch noch was Axel, oder!?), Torre Trieste - auch hier eine Route die nicht ohne Grund seinen Namen trägt, Denali - ohne Worte, Jirishinca und und und. - Danke Riccardo! Und auch wenn unser Klettervermögen nicht annähernd ausreicht all diese großen Linien zu durchsteigen, bietet seine Hinterlassenschaft an Touren an all den Gipfeln, Türmen und Graten dieser Welt doch ausreichend Stoff zum träumen und allein schon dafür gebührt ihm Dank.

Man muss sich das nur mal auf der Zunge zergehen lassen - mit 78 noch seine Route an der Badile anlässlich des 50jährigen Jubiläums wiederholt - und natürlich jede einzelne Seillänge vorgestiegen - und dann in der selben Woche gleich nochmal weil die Presse beim ersten Mal nicht schnell genug war...

Als schönes Schlusswort kann man eigentlich eine Aussage aus einem amerikanischen Kletterforum stehen lassen:
"Can you imagine Bachar and Cassin sittin' around the eternal campfire shootin' the shite? I am not ready to be there yet, but what a party!"

Dienstag, 7. Juli 2009

Der schmale Grat...

Auf eben einem solchen bewegt man sich als jemand der in den Bergen unterwegs ist und zumeist durch seine Aktivitäten bewusst(!) gewisse Risiken eingeht... Es ist ein schmaler Grat zwischen gedankenloser Zerstreuung ("MIR passiert doch nichts...") und einem latenten Restrisiko, welches bei allen bergsportlichen Aktivitäten, wie ein Damoklesschwert über einem hängt.

Wie komme ich darauf? - Es mag eine zufällige statistische Häufung sein, aber ich habe das Gefühl, dass sich in letzter Zeit die Zahl der (öffentlichen) Kondolenzschreiben doch signifikant erhöht hat. So kamen wie man aus Medienberichten erfuhr vor einiger Zeit die amerikanischen (sehr erfahrenen!) Alpinisten Johnny Copp, Micah Dash und Wade Johnson bei dem Versuch einer Erstbesteigung eines 6000er in China in einer Eislawine um´s Leben. Und heute musste ich lesen dass die amerikanische Kletterlegende John Bachar bei einer Solokletterei zu Tode kam. - Sehr traurige Meldungen... Ich glaube nicht nur für mich stellten sie mit ihrem Handeln eine Quelle der Inspiration dar! Und doch waren sie Profis und wussten denke ich sehr genau welche Konsequenzen ihr Tun haben kann... - That´s part of the game... - Einzig das Bewusstsein dafür zu bewahren ist denke ich sehr entscheidend!

- Bewusstsein um sein eigenes Handeln in den Bergen der Welt und die Konsequenzen welche sich daraus für sich und andere ergeben können...

Dann erübrigt sich meiner Meinung auch die Diskussion nach mehr Haken und besser gesicherten Routen, wie kürzlich in Franken nach einem schweren "Vor-dem-ersten-Haken-Absturz". Ich möchte wirklich nicht zynisch sein, aber eine bewusste eigenverantwortliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun - ganz im Sinne eines mündigen Menschen - verhindert sicherlich so manches (wenn auch nicht Jedes) Ausrücken der Bergwacht...


Ich bin mir nicht sicher ob "Bergsport" (mit all seinen Facetten...) die richtige Beschäftigung für jedermann ist... - Zumindest nicht ein Bergsport wie ich ihn sehe - außerhalb einer genormten "Fast-Food" -und "Konsumgesellschaft" mit der Pflicht zur Eigenverantwortung...

Dienstag, 23. Juni 2009

Escalada in Transilvania

Völlig aus der Mode - oder zumindest in Vergessenheit geraten.


Vor reichlich zwanzig Jahren noch klangen die Namen wie Gold in den Ohren der kletternden Alpinisten der ehemaligen DDR. Costila, Pjatra Crajului, Fagaras. Und wer zum Beispiel den Blauen Riss in sein gepflegtes und geliebtes Bergfahrtenbuch schreiben konnte, der durfte sich schonmal ordentlich selbst auf die Schulter klopfen.

Und heute?
Wer fährt schon noch in die Hochgebirge in Südosteuropa? Dabei haben sie alle einen solchen Charme und jenes rauhe, wilde, gesetzlose Flair, welches wir doch gerade so lieben. Welchen Reiz hat schon der Sellapass- Parkplatz gegenüber der urigen, von Geschichte nur so strotzenden Costila- Biwakhütte, in deren Umgebung die Bären leben und in deren Innerem sich zumindest an den Wochenenden die verwegenen unter den rumänischen Kletterern treffen ,um in ihrer persönlichen Bergwildnis, ungeachtet vom Rest der Welt ihr bittersüßes Hobby zu verfolgen.

Nur selten verirren sich hierher Gäste aus anderen Ländern und noch seltener kommen sie aus dem Westen. Um so freundlicher werden die wenigen aber dann aufgenommen und umsorgt, wenn es darum geht, die versteckten Zustiege zu finden oder überhaupt eine Tour auszuwählen.
Wir jedenfalls haben uns wohl gefühlt, zuerst im Bucegi Gebirge und dann in der Turda- Schlucht und wir werden so schnell das Andere an dieser Reise nicht vergessen.
Und für alle ewigen Skeptiker noch eine Erfahrung: In Rumänien wird man nicht beklaut, sondern eher beschenkt.


Wenige Bären gibt es nicht, dafür aber viele

am Rifugio Costila fangen die Felsen schon vor der Türe an

Die Adlerwand und rechts der Adlergrat, für den wir uns als Kennenlerntour entschieden. Schwierigkeit 3B oder III/A2

Was das bedeutet lernten wir in dieser Risseillänge, die gut und gerne als 6+ zu verstehen ist.

Die Wand des Weißen Tales, hier erreicht der berühmte Blaue Riss den Ausstieg am Grat. Aber auf eine Begehung von uns wartet er noch. Zumindest wissen wir jetzt schonmal, wie er von unten zu erreichen ist. Die Locals haben uns geduldig die entscheidenden Pfade gezeigt.

Ebenso die Abstiege. Wer die nicht findet, der sieht schnell alt aus.

Am Turnul Mic warten 5 Seillängen im Kalksteinkonglomerat mit der Bewertung 6+ Haken gibt es viele, aber nur wenige erscheinen sicher.

Transylvanien - übersetzt, das Land hinter den Wäldern.

unser zweites Ziel: die Turda Schlucht.

Hier warten alpine Routen mit schnellen Zustiegen und bequemen Abstiegen.

Und das ganze in einer herrlichen Landschaft.

Der Coltul Crapat lockte uns mit seiner Czipkes- Route - links der markanten, weißen Kante.

5 stramme Seillängen bis 7+, dazu alte Normalhaken, das sichert einen gewissen Erlebniswert. Und das tollste: Überall Steigeisenkratzer - die Rumänen mögens kalt!

Smaragdeidechsen können gut klettern, aber sie verstehen auch die Kunst, sich in der Sonne zu aalen.

Leicht aber beeindrucken ist die Tour durch die Grota lui Hili.

Bei der man direkt durch ein riesiges Felstor klettert.

Die scharfe Kante des Turnul Ascutit lockt jeden Formliebhaber mit sechs Seillänge und 7- bei freier Kletterei. Hier gibt es sogar mehrere genussfördernde Bohrhaken.

Aber auch sonst kann der Sportlich Ambitionierte Tage im herrlich festen Kalk verbringen.
Jeder, wie er eben möchte.


Salut, Szia und bis zum nächsten Mal in Siebenbürgen!

Quelle: Bergzeit.de - Blog

Dienstag, 26. Mai 2009

Klassiker klettern...

Was macht eigentlich einen Klassiker aus? Warum sind es - ob im Leben allgemein oder im Klettern speziell - bestimmte Dinge, Routen, Erlebnisse nach denen wir, ob ihres besonderen Nimbus trachten!? Warum bringt der Klang (oder auch nur der Gedanke daran) eines 69´Shelby GT 500, die Augen der meisten Männer (auch Frauen!?) zum glänzen? Warum kann man sich das `Alchemy´-Album der Dire Straits auch noch zum 20sten mal mit Begeisterung anhören? Wieso ist ein 12 Jahre alter (oder älter) Single Malt in fast - ach, was sage ich - in jeder Lebenslage eine gute Wahl? Wieso kann man sich bestimmte Filme - selbst dann wenn man in der Lage ist jeden(!) Dialog mit zu sprechen - immer noch mit kindlicher Begeisterung anschauen? Wieso kleidet einen eine 501er eigentlich immer gut? - Ich weiß es nicht, ich weiß nur dass es so ist...
Und, um zum eigentlichen Kern der Sache zu kommen - wieso klettern wir mit besonderer Begeisterung in unserem Kletterleben ganz bestimmte Routen? Schleichen um Einige Jahre lang herum - hadern, zögern, trauen uns nicht und freuen uns dann wie Bolle wenn wir uns doch getraut habe einzusteigen - und vielleicht sogar (lebend) oben angekommen sind...? Warum bilden sich in unseren Köpfen (also zumindest in meinem...) Listen von Routen die ich unbedingt noch klettern möchte früher oder später? Warum arbeiten wir überhaupt 74er, Pause, Rebuffat und andere Listen ab? - Macht es doch zum Teil nicht mal wirklich Spaß... - Aber es erfüllt einen mit tiefster Zufriedenheit wenn man wieder über seinen Schatten gesprungen ist, seinen inneren Kampf gewonnen hat und vielleicht auch den gegen den Fels... Es ist ein tolles Gefühl wenn man weiß das man an einem - für Kletterer oder Bergsteiger - "bedeutsamen" Stück Fels unterwegs ist - um so mehr wenn man sich mit der Historie dessen auseinander gesetzt hat und im Hinterkopf hat wer sich hier schon alles versucht hat, wer hier schon alles gelitten hat, gefroren, geflucht, gejubelt, sich verwirklicht, vielleicht aber auch sein Leben gelassen hat... Es verleiht einem an sich "sinnlosen" Tun nicht per se mehr Sinn, aber es hilft dem Abenteuer nach dem wir bei all dem trachten, noch etwas mehr Würze zu verleihen...

Schön, war´s aus diesem Grund, dass ich jetzt über Himmelfahrt in der Pfalz u.a. zwei Routen klettern konnte, welche man wohl als Klassiker bezeichnen kann...
- Eine Frage stelle ich mir allerdings - wieso müssen Klassiker eigentlich immer so bockhart sein - oder die Altvorderen so verdammt gut...!?











Und um welche Routen handelt es sich?

Dienstag, 12. Mai 2009

Die räumliche Distanz

Für das Planen aus der Ferne wird man scheinbar generell sofort bestraft. Steve, der gute Freund aus London schrieb die folgenden Zeilen, die mich wieder nachdenklich stimmten, ob nicht generell der Distanzalpinismus zu verwerfen wäre?

"just returned from a poor trip to chamonix )o;
bad choice of partner and not paying attention to the forecast.
did chere couloir, as you, and cosmiques arete again ..
frustrating as ginat on droites is in the best cons ever apparently"

Und genau heute war wieder einer der häufigen Tage, an dem wir eine längst geplante Tour streichen mussten. Über Wochen steht im Kallender: "Fr, Sa, So Alpen". Das übliche, man hält das Wochenende frei und den Freitag noch dazu, man erklärt der Freundin wieder dass es wichtig sei und das mehrmals und dann zeigt der Wetterbericht diese scheußlichen Piktogramme. Dann sucht man eine Stunde vergeblich nach einer Alternative, aber in keiner Region ist einigermaßen vernünftiges Wetter zu erwarten. Also beschließt man zum wasweisichwievielten Male, das ganze an den Nagel zu hängen, was sowieso nicht geht, weil es viel zu wichtig ist!

Aber für den Moment bleibt nichts anderes, als abzuwarten und auf den nächsten Zeitpunkt zu warten, für den wieder im Kallender steht: "Fr, Sa, So Alpen".

Mittwoch, 6. Mai 2009

runout analysis

Ich sitze gerade ganz vorbildlich in der SLUB und lese und da stoße ich doch auf diese Zeile: "runout analysis must be carried out to quantify hazard"... - Fand ich irgendwie witzig weil ich sofort an´s Klettern im Sachsenländle denken musste... Das war´s dann auch schon von mir - muss weiter über runouts nachdenken!

Dienstag, 7. April 2009

Auf´s Maul kriegen oder die Kunst des stilvollen Scheiterns...

Irgendwie typisch - die Erwartungen und Vorhaben (genauso wie die Sprüche) können vorher nicht groß genug sein - zumindest bei mir, Axel als alter Haudegen, welcher schon ein paar mal jenen segensreichen und gleichzeitig verfluchten Ort namens Chamonix aufgesucht hat, weiß da schon eher wie´s läuft... Wenn man dann endlich Fuß ins gelobte Land gesetzt hat - links, rechts eins auf die Fresse und man ist wieder auf dem Boden der Tatsachen...

Bei uns hat sich das wie folgt dargestellt:

Wir kommen irgendwann Sonntag Abend in Chamonix an, finden auch gleich einen praktischen Platz zum parken und schlafen, nur eine Minute entfernt von der Talstation der Bahn (sogar kostenlos!), und beginnen gemütlich für den nächsten Tag zu packen und uns zuzuprosten... Wir haben dann noch kurz einen netten Plausch mit den Chamonixer Polizeibehörden gehalten, welche so nett waren uns darauf hinzuweisen dass wir in unserem - nicht mehr ganz nüchternen Zustand beser nicht mehr fahren sollten und wo wir denn gedenken zu schlafen... Hat sich alles geklärt, auch die Frage am nächsten Tag ob die Franzosen einfach zu faul, zu blöd, zu ignorant oder was auch immer sind, ihre Uhren auf Sommerzeit zu stellen, nachdem dass mit der Zeit und dem angegebenen Fahrplan der Bahn irgendwie noch nicht so ganz hingehauen hat. Egal, wir kommen also mit der ersten Bahn oben an, ein geiles Panorama tut sich auf und wir müssen kleinlaut feststellen dass die gerade angeführten Charakteristiken irgendwie auch auf uns zutreffen, nachdem wir es nicht gebacken kriegen unsere Rucksäcke einigermaßen gebrauchsorientiert zu packen und wir erst oben auf die Idee kommen unser Zeug an zu legen... Was soll´s - passiert den Besten, so haben wir eben noch ein bisschen mehr Zeit die schöne Aussicht von der Midi zu genießen...



Irgendwann ist es soweit wir sind startklar und es heisst die erste Hürde auf dem Weg zu Ruhm und Ehre zu nehmen - die paar steilen Abfahrtsmeter von der Aguille runter zum Gletscher - wohlgemerkt auf Kurzskiern (auf welchen noch keiner von uns je in seinem Leben gestanden hat - auch so ein Hirnfurz von uns dies gerade jetzt auszuprobieren...). Irgendwann und irgendwie sind wir dann auch runter gelangt. Die ganzen Skicracks welche von hier aus die Valleé Blanche-Abfahrt in Angriff nehmen müssen auch gedacht haben - ach, ich will gar nicht drüber nachdenken... Danach eiern wir noch frohen Mutes zum Triangle de Tacul, von wo aus unsere geplante "Eingehtour" starten soll, aber irgendwie merken wir schon dass das nicht so beginnt wie wir uns das vorgestellt hatten - zu viel Schnee, viel zu viel Schnee... Und so werden dann die paar Meter zum tatsächlichen Einstieg unserer Route, dem Cheré Colouir, und das Überwinden des Bergschrundes zur nächsten Probe (und fast hätten wir uns dagegen entschieden einzusteigen - was unserer Wochenbillanz nicht wirklich gut getan hätte...). Wie dem auch sei, wir sind eingestiegen und so durften wir ein paar traumhafte Seillängen in einem (klingt blöd ist aber so - ) sehr schönen Gulli klettern... Nur der Spinndrift hätte etwas netter zu uns sein können...



(Quelle: http://www.climb.dk/ChereCouloir.html)

- grün = Cheré Couloir









Im Anschluss dann - wir hatten ja zu dem Zeitpunkt noch große Pläne - begaben wir uns auf den doch recht langen und mit Kurzskiern bei z.T. hüfthohem Schnee nicht ganz unanstrengenden Weg zur Turiner Hütte. Irgendwann während dieser (Tor-)Tour ist mir klar geworden dass das mit unseren Plänen wohl so nichts wird... Ich war selten physisch und irgendwie auch psychisch so fertig... Mögen uns auch die Umstände einen Streich gespielt haben mit dem vielen Neuschnee und teilweise starken Windverfrachtungen - ach ja, und meinem gebrochenen Stock, so ist es doch Fakt dass ich in diesem Augenblick den Anforderungen der Berge nicht so gewachsen war wie es der Fall hätte sein sollen. Und es tut mir auch für meinen Seilpartner leid wenn dadurch vielleicht auch seine Motivation und im Anschluss die Möglichkeit gewünschte Touren zu realisieren gelitten haben.
Nun ja, sprichwörtlich im Arsch komme ich, dann auch irgendwann an einem Bauwerk an, von dem ich erst annahm es sei unsere Hütte und mir in Gedanken schon ausmalte welche Leckereien der Italienisch-Französischen Bergküche ich mir als erstes aussuchen sollte. Pustekuchen, es war nicht unsere Hütte (auf der auch irgendwie schon den ganzen Nachmittag niemand auf unsere Anrufe reagieren wollte), sondern die Hellbronner Seilbahnstation. Unsere Hütte stellen wir verdutzt fest liegt ca. 70 Hm weiter unten und sieht auch eigenartig verschlossen aus. Was ist da los!? - Es steht doch in zwei Führern dass das Ding bereits bzw. ganzjährig offen haben soll... Unser Ärger steigert sich in dem Maße in dem wir realisieren dass es kurz nach 18.00 Uhr ist, wir hier oben die Einzigen sind und wir nichts weiter zum schlafen dabei haben... Hm, also was tun!? Da wir nicht ganz so dämlich sind wie wir aussehen und vollkommen skrupellos, beschließen wir das wir die Nacht definitiv nicht schlotternd und ungeschützt in der Kälte verbringen werden... Heißt also - richtig - wir müssen da rein (nicht hoch diesmal!). Nur wie, ist ja alles verschlossen!? Nun, nachdem wir an sämtlichen Türen gerüttelt und durch alle Fenster geschaut, haben wir auch eine kleine Abstellkammer entdeckt in der eine Schneefräse und tatsächlich eine funktionstüchtige Heißung in Dasein fristet. Also schaffen wir der Schneefräse kurzum ein bisschen Abwechslung und befördern diese nach draußen und uns ins Innere! Wir waren dann noch ein wenig innenarchitektonisch (man verzeihe mir dieses Wortungetüm!) tätig und haben die Dämmung von den Wänden auf den Fußboden befördert und fertig war unser lauschiges Heim! Im Endeffekt konnten wir dann auch tatsächlich ein paar Stunden am Stück schlafen. Nur hoffe ich dass ich nie mehr mit einem Mann Löffelchen machen muss...



Am nächsten Morgen dann sind wir mit der Ersten Bahn runter - nur diesmal eben nach Italien - irgendwie surreal das Ganze... Während der Fahrt nach unten genießen wir noch traumhafte Blicke auf Grand Jorasses, Aguille Noir und überhaupt den gesamten Peuterey Grat - der absolute Hammer das Ding - kaum vorstellbar das im Gesamten zu durchklettern... - Aber wie es so ist, genau an dieser Stelle wurden schon wieder ein paar kleine, unschuldige Traumsprösslinge ins Dickicht des vernebelten Hirnes gesäht um dann vielleicht eines Tages doch in die Tat umgesetzt zu werden...
In Cormayeuer genießen wir im Anschluss jeder noch eine riesige Pizza - ob wir sie nun verdient haben oder nicht sei dahingestellt - geschmeckt hat sie trotzdem!

Tja, das mit dem Eis soll irgendwie nicht sein diesmal, wir fahren zwar nochmal hoch nach 1 1/2 Ruhetagen mit bisschen gemütlichem Sportklettern, aber irgendwie haben sich die Berggötter diesmal gegen uns verschworen...



Und so verbringen wir noch eine Nacht in den Gängen der Midi-Bergstation um am nächsten Morgen festzustellen dass das Schweißwetter vom Vorabend immer noch Scheißwetter ist; wir gehen sogar noch die paar Meter runter zum Gletscher um dort endgültig festzustellen dass dies nicht das Wetter ist bei dem ein paar Leichtmatrosen wie wir in den Bergen rumstolpern sollten...

Den Urlaub gerettet hat unss mehr oder weniger ein glücklicher Zufall, eine Eingebung, Vorhersehung - wie auch immer - nämlich als wir schon auf dem Weg nach Hause waren und gerätselt haben ob wir denn nun noch einen Abstecher nach Franken machen sollten oder was denn nun, kam Axel plötzlich die Erleuchtung - ja, man kann ja auch hier gleich in der Nähe klettern - und siehe da Felsen taten sich auf, sogar welche mit Prädikat... Und so kam es dass wir das Kleine aber Feine Klettergebiet "Barbarine" entdeckten. - Schon allein der Name ist Musik im Ohre eines jeden echten Sachsen... Und so durften wir noch ein paar herrlich grifflose und sehr reibige Längen in schönem rauhen Granit klettern... - Danke!!!



Fakten zur Tour:
Wann? 29.03. - 05.04.09
Wo? Mont Blanc du Tacul (Chamonix/Mont Blanc)
Wer? Axel & Robert
Was? Cheré Couloir
Wieviel? II D+, 350m, Eis bis 80°